© Bild: Foto: Irenes Blütenzauber Karlshuld

Dankbar:

SCHÖNHEIT RETTET DIE WELT (F. Dostojewski)

Mein Bruder ist Mitte Januar gestorben; viel zu jung. An einem klirrend kalten Tag wurde er beerdigt. Alle gesagten Worte sind eingefroren.
Die Beerdigung war in einem bayrischen Dorf, wo noch vieles so gemacht wird wie immer schon. Auch bei den Blumenkränzen: Einer mit roten Blüten für die Witwe, einer in lila für den älteren Bruder, gelb für den Vater…mein Kranz hatte weißrosa Blumen – ist die Farbe für Schwestern, sagte die Blumenfrau. Dieses Meer von Blumen auf den Kränzen rund um den Sarg – daran konnten sich meine Augen und mein Herz festhalten.
Jeder Tod schüttelt alles durcheinander, was vorher so solide und fest war. Die Blumen haben mich an diesem frostigen Tag an die Sonne erinnert, an Schönheit, Zartheit und Harmonie. Sie waren mein Halt.
Blumen haben die Kraft, mich zu trösten. Mich zu vergewissern, dass es nicht nur Verfall und den Tod gibt, sondern auch das Aufblühen. Blumen deuten auf eine geheime Ordnung in der Welt, auf das Leben in seinem Kreislauf von Kommen und Gehen. Und sie machen mir einfach Freude. Seit dem Tod meines Bruders gönne ich mir fast jede Woche einen Blumenstrauß. Verschwendung, klar. Aber eben auch Balsam für meine Seele.


Edith Öxler (*1966)
Erfahrungen von anderen:
Erfahrungen von anderen: