Wenn Trauer zu neuem Leben führen soll, braucht es Zeit und Raum dafür, braucht es vor allem Klage. Meine Klage schafft mir Platz, schenkt Zeit, an mich zu denken. In der Klage bin ich ganz da, sie macht mich lebendig. Artikulierter Schmerz im Gebet, im Gespräch, auf dieser Seite ist ein wundersames Zeichen von wirklichem Leben.

Natürlich weiß ich: Trauer lässt sich nicht abarbeiten wie eine Akte. Sie geht mit einem. Manchmal sehr sehr lange. Wenn ich einen Film sehe, in dem Eltern sterben, heule ich wie ein Schlosshund, obwohl mein Vater seit 44 und meine Mutter seit 38 Jahren tot ist. Mein Weh ist da, weil sie mir immer fehlen werden. Aber Trauer kann sich verwandeln, so dass sie mit der Zeit nicht mehr alles bestimmt.

Meine Klage ist der erste Schritt zur Veränderung, zu einem neuen Umgang mit dem, was mich betrifft und getroffen hat. Gelegentlich wird man ja von außen bedrängt, schneller mit der Trauer „fertig zu werden“. Es sind fatale Äußerungen: „Kopf hoch!“ „Es wird schon wieder!“ „Du musst doch jetzt endlich …“ Fatal, weil sie Lebensqualität und Zukunft gefährden. Ein trauernder Mensch ist dagegen mit seinen Gefühlen unendlich kostbar.
Susanne Breit-Kessler
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