Frank Kolwe (1958 - ca. 1975)
* 14. Februar 1958 † 1975
In Erinnerung an Frank Kolwe
14. Februar 1958 – ca. 1975/76
※
Manche Menschen hinterlassen Spuren,
obwohl wir ihnen niemals begegnet sind.
Es gibt Menschen, die sind schon lange nicht mehr unter uns,
bevor wir selbst an ihren einstigen Lebensort gelangen.
Und dennoch ist
ihre Anwesenheit spürbar.
In dem, was erzählt wird.
In dem, worüber geschwiegen wird.
※
Und manchmal in einer Traurigkeit,
die Jahrzehnte überdauert.
※
Frank Kolwe war ein Nachbarssohn.
Er wurde am 14. Februar 1958 geboren.
Als junger Mann,
mit gerade einmal 18 Jahren,
ging er in den Wald und kehrte
nicht mehr lebend zurück.
Sein Tod veränderte das Leben
einer Familie
und einer ganzen Nachbarschaft.
※※
Als ich im Jahr 2008 zum ersten Mal
von seinem Schicksal erfuhr,
saß ich noch bis spät in die Nacht
im Garten und weinte.
Ich hatte Frank niemals kennengelernt.
Und doch berührte mich seine Geschichte zutiefst.
※※※
Viele Jahre später begann ich,
im Garten seines inzwischen
hochbetagten Vaters
zu helfen... für eine Weile.
Der Garten war über Jahrzehnte
etwas zugewachsen.
Wege mussten freigelegt,
Flächen geräumt,
Erde gesiebt, Steine geschleppt
und in naturvolle Ordnung
gebracht werden.
※
Es war anstrengende Arbeit.
Aber es war auch eine Arbeit von besonderer Bedeutung.
Denn auch ich heiße Frank
wie der Sohn dieser Familie, dieses Gartens.
※
Ich arbeitete dort, Jahrzehnte später,
im Garten eines Vaters.
Ich konnte ihm den Sohn
nicht zurückbringen,
nichts ungeschehen machen.
Aber ich konnte etwas tun.
Ich konnte diesen Garten
wieder schön machen
bis zum 90. des Vaters.
※※
Ich erinnere mich an sein Strahlen
beim Anblick der weißen Steine
aus Thüringen.
Hatte sie überall aus dem Garten
unter Hecken und Haufen
hervorgeholt und an einer Präsentstelle
im Halbbogen hingelegt.
… und der Vater erzählte wie seine Frau
diese Steine unbedingt haben wollte.
Das schwer beladene Auto
– fast nicht machbar.'
Hier waren sie nun
und er strahlte wie ein glückliches Kind.
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Und an einen jener stillen Augenblicke
in einem Mai,
wir saßen gemeinsam
auf einer Gartenbank ,
lauschten den Vögeln
und sprachen über die frechen Krähen.
Ein alter Mann und ein jüngerer.
Wir redeten. Wir schauten. Wir lebten.
Momente für die Ewigkeit.
※※※
Einmal erzählte er mir von seinem Sohn.
Eine Träne lief über sein Gesicht.
Trotz allem:
„Frank war da und hat den Garten gemacht!“
Nicht derselbe Frank.
Nicht als Ersatz für den verlorenen Sohn.
Nur ein Satz mit einem Namen
in einem Augenblick der Ewigkeit
der kurz die Seele heil sein lässt
und eine Träne mit einem Lächeln
und dem Trost eines einzigen
Augenblicks verband.
※※
Lieber Frank,
wir sind einander niemals begegnet.
Aber ich habe deinen Vater kennengelernt,
mit ihm gesprochen,
mit ihm gelacht und Zeit
in eurem Garten verbracht.
Du bist nicht vergessen.
Und solange ich an diese Stunden denke,
werde ich auch an dich denken.
※※
In liebevollem Gedenken an Frank Kolwe.
Frank der Pfadbereiter
14. Oktober 2026
Anm.: In der Zeit,
als ich diesen Garten durcharbeitete,
betreute ich ehrenamtlich
online junge Männer,
die in ähnliche Lebenslagen
geraten waren wie Frank Kolwe.
Mindestens einer von ihnen
schrieb mir später,
dass ich ihm geholfen hatte, weiterzuleben.
Das macht nichts gut für jene,
denen nicht mehr
geholfen werden konnte.
Aber für diejenigen,
die weiterleben konnten,
bedeutete es vielleicht alles.
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Foto: von 1975 - Frank links im Bild
Mitte Horst Woßeng - rechts Vater Kolwe
Archiv: Fotoscan Unter-Ordner: Fotoscan_vor_1975_I Foto: vor 75_nfll_011
Verfasst von: Frank Woßeng